Schulsystem

Geschätze Lesedauer: 8 min


Was erwartet dich an deiner kanadischen High School?


Interessierst du dich für ein Auslandsjahr in einem fremden Land? Möchtest du neue Freunde finden und ein komplett neues Schulsystem kennenlernen? Dann ist Kanada der perfekte Ort für dich. Dort kannst du für einige Monate oder auch gerne ein ganzes Jahr in einer kanadischen Gastfamilie leben und so die Kultur hautnah miterleben.

Doch nicht nur die Kultur, auch das Land selbst hat sehr viel zu bieten. Eine abwechslungsreiche und beeindruckende Landschaft wartet nur darauf, von dir und deinen Freunden aus deiner kanadischen High School entdeckt zu werden.

Doch das ist natürlich nicht alles, was dich in deinem Auslandsjahr in Kanada erwarten wird. Das Land ist nämlich auch für sein hohes Bildungsniveau und sein effektives Schulsystem bekannt. In Folgenden wirst du nun erfahren, was du von deiner kanadischen Austauschschule erwarten kannst.


Das kanadische Schulsystem


Das Schulsystem in Kanada ist Sache der jeweiligen Provinzen. Das heißt, jede Provinz hat ihre eigenen Regeln bezüglich der High Schools. Du kennst das ja schon aus Deutschland. Hier gibt es in den einzelnen Bundesländern ebenfalls verschiedene Regelungen.

Genau wie in Deutschland, gibt es auch in Kanada private und öffentliche Schulen. Der Großteil der Schülerinnen und Schüler besucht dabei eine staatliche High School. Meist handelt es sich dabei um Gesamt- oder Ganztagsschulen. Die reguläre Schulzeit in Kanada beträgt außerdem in der Regel 12 Jahre. In der Provinz Québec besuchen die Jugendlichen die Schule jedoch nur für einen Zeitraum von 11 Jahren.

Das Schuljahr beginnt Anfang September und endet Ende Juni. Meist ist das Schuljahr in zwei Halbjahre von fünf Monaten unterteilt. Das erste Halbjahr dauert dabei von September bis Januar, das zweite von Februar bis Juni. Im Sommer haben die Schülerinnen und Schüler zwei Monate Ferien. Zudem gibt es zweiwöchige Weihnachtsferien und eine Ferienwoche Mitte März.

Die Einschulung in die Primary School findet im Alter von sechs bis sieben Jahren statt. Im Anschluss an die Primary School besuchen die Schülerinnen und Schüler die Junior High oder Middle School. Die letzten Jahre der Schulzeit absolvieren sie dann an der Senior High.

Der tägliche Unterricht beginnt meist zwischen 8:00 und 9:00 Uhr morgens und endet zwischen 14:00 und 15:30 Uhr. Zwischendurch haben die Schülerinnen und Schüler allerdings eine lange Mittagspause in der sie sich erholen können. Viele der Jugendlichen gehen in dieser Zeit auch verschiedenen Aktivitäten nach.


Der Schulabschluss


Da die Regelungen bezüglich des Schulsystems von Provinz zu Provinz verschieden ausfallen, schließen die Schülerinnen und Schüler die High School auch nach einer unterschiedlichen Anzahl von Jahren ab. In den meisten Regionen wird die Junior High von der siebten bis zur neunten Klasse besucht. Im Anschluss folgt die Senior High von der zehnten bis zur zwölften Klasse.

Der Abschluss, oder die Graduation, ist dabei abhängig von der individuellen Leistung der Schülerinnen und Schüler. Der Abschluss selbst entspricht daher, je nach Leistung, entweder der mittleren Reife oder dem Abitur.

Außerdem steht den Schülern die Möglichkeit offen, an sogenannten Advanced Placement Kursen teilzunehmen. Diese speziellen Kurse erhöhen später die Chance, an einem College angenommen zu werden. Diese Advanced Kurse können mit den Leistungskursen an deutschen Schulen verglichen werden. In diesen Fächern können sich Schülerinnen und Schüler tiefer gehendes Wissen im gewählten Bereich aneignen und dadurch gezielt auf ihr späteres Studium vorbereiten.

Zudem gibt es in Kanada zwei offizielle Amtssprachen, Französisch und Englisch. Die Sprache, die in der jeweiligen Provinz nicht gesprochen wird, wird in der Schule als Fremdsprache unterrichtet. Während deines Auslandsaufenthalts in Kanada kannst du also sowohl deine Englisch als auch deine Französisch Kenntnisse verbessern.


Die Schulform in Kanada


Der Großteil der Schülerinnen und Schüler besucht eine öffentliche High School. Doch daneben besteht natürlich auch die Möglichkeit, an einer Independent High School oder privaten High School zu lernen.

Der große Unterschied zwischen öffentlichen und privaten High Schools ist, dass es bei letzteren nicht darauf ankommt, wo die Jugendlichen leben. In der Regel besuchen Schülerinnen und Schüler nämlich immer die öffentliche High School, die in ihrem Einzugsgebiet liegt. Bei privaten High Schools können sie sich die Schule dagegen selbst aussuchen.

Manche der privaten High Schools erlauben den Schülerinnen und Schülern auch, auf dem Campus zu leben. Diese spezielle Art der High Schools wird auch Boarding School genannt. Dabei handelt es sich im Prinzip um nichts anderes, als ein Internat. Die Schüler leben gemeinsam auf dem Campus der Schule und besuchen ihr Zuhause nur am Wochenende oder in den Ferien.

Insgesamt gehen nur lediglich circa 10% der Jugendlichen an eine private kanadische High School. Genau wie die öffentlichen High Schools, müssen die privaten den Bildungsstandards der jeweiligen Provinz genügen. Allerdings übertreffen die meisten privaten Schulen diesen akademischen Anspruch noch.

Kanadische Boarding Schools zählen sogar zu den leistungsstärksten Schulen in ganz Nordamerika. Auch Schülerinnen und Schüler mit geeigneten Fähigkeiten, die nicht aus einem privilegierten Elternhaus stammen, haben die Möglichkeit, eine private High School zu besuchen. So sollen auch sie eine optimale Förderung erhalten.

Um an einer privaten High School aufgenommen zu werden, muss meist ein langer und aufwendiger Bewerbungsprozess durchlaufen werden. Jede Schule hat nämlich besondere Werte und Traditionen. Daher soll sicher gegangen werden, dass die Schülerinnen und Schüler mit diesen Werten übereinstimmen und eine hohe Lernmotivation mitbringen.


Der Unterricht an einer kanadischen High School


Kanadische High Schools folgen entweder einem linearen oder einem Semester System. Bei einem linearen System wählen die Schülerinnen und Schüler ihre Fächer für das komplette Schuljahr. Die Fächer finden dann im täglichen Wechsel statt. Die gleichen vier Fächer werden in der ersten Woche an den A-Tagen unterrichtet, also zum Beispiel montags, mittwochs und freitags. Die anderen vier Fächer werden an den B-Tagen unterrichtet, also dienstags und donnerstags. In der folgenden Woche wechseln die A- und B-Tage, sie finden also an den jeweils anderen Wochentagen statt.

Beim Semester System dagegen werden ein halbes Jahr lang jeden Tag die gleichen vier Fächer unterrichtet. Im zweiten Semester wählen die Schülerinnen und Schüler dann andere Fächer.

Das Besondere am kanadischen Schulsystem ist hier, dass die Schülerinnen und Schüler drei oder sogar fünf Mal pro Woche eine Doppelstunde haben. Dadurch wird ein besonders intensives Lernen ermöglicht.

Auch die Ausstattung an kanadischen High Schools ist meist besser als an deutschen Schulen. Den Schülerinnen und Schülern stehen große Bibliotheken zur Verfügung, moderne Sportanlagen und gut ausgestattete Chemielabore. Zudem erhalten die Jugendlichen in der Regel einen Laptop für den Unterricht. Diesen Laptop dürfen sie auch mit nach Hause nehmen, um daran ihre Hausaufgaben zu absolvieren und für Prüfungen zu lernen.


Die Fächerauswahl an einer kanadischen High School


Die Fächerauswahl ist wahrscheinlich einer der größten Unterschiede zwischen kanadischen High Schools und deutschen Schulen. Hier steht Schülerinnen und Schülern nämlich auch eine Vielzahl an außerschulischen Aktivitäten zur Verfügung. Beim Zusammenstellen des individuellen Stundenplans hilft meist ein Guidance Counselor.

Die meisten kanadischen High Schools bieten eine große Auswahl an berufsbezogenen Kursen an, welche die Schülerinnen und Schülern bei der beruflichen Orientierung helfen sollen. Für technikinteressierte Jugendliche gibt es verschieden Kurse, wie beispielsweise Robotics, Film Production oder Webdesign. Daneben werden auch künstlerische Kurse, wie Fashion Design oder Painting, oder musikalische Kurse, wie Musical Composition oder verschiedene Bands, angeboten. Auch handwerklich begabte Schülerinnen und Schüler kommen nicht zu kurz. Für sie stehen zum Beispiel Kurse wie Metal Works oder Wood Working zur Verfügung.

Daneben gibt es natürlich auch verschiedene Sprachkurse zum Erlernen von anderen Sprachen oder Fächer, wie Food & Nutrition, Schach Clubs oder Debate Clubs.

Besonders beliebt sind allerdings vor allem sportliche Aktivitäten. Vor allem Rugby, Eishockey, Lacrosse, Baseball, Volleyball und Feldhockey erfreuen sich unter Schülerinnen und Schülern großer Beliebtheit. Insgesamt gibt es allerdings kaum eine Sportart, die du an einer kanadischen High School nicht ausüben kannst.


Das Notensystem im kanadischen Bildungssystem


Das Notensystem an kanadischen High Schools ähnelt stark dem Notensystem in den USA. Hier findest du eine Übersicht, über die Verteilung der Noten:

Deutsche Note Kanadische Note Nötige Prozent
Sehr gut A 90-100%
Gut B 80-89%
Befriedigend C 70-79%
Bestanden D 60-69%
Nicht Bestanden F weniger als 60%


Das Advanced Placement Program


Schülerinnen und Schüler mit sehr guten Leistungen und ausgeprägten Begabungen können zudem auch an einem Advanced Placement Program teilnehmen. Im Rahmen dieses Programms besuchen die Jugendlichen Kurse zur Vorbereitung auf die Universität über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Da dieses Programm insgesamt recht anspruchsvoll ist, muss zunächst ein Leistungstest bestanden werden, um daran teilnehmen zu können. Alternativ genügt auch ein Empfehlungsschreiben eines Lehrers. Internationale Schüler haben in der Regel recht gute Chancen, um in das Programm aufgenommen zu werden.

Der Schwierigkeitsgrad der Kurse dieses Advanced Placement Programms ist College Niveau. Am Ende der zwei Jahre müssen die Schülerinnen und Schüler auch ein zentrales Examen ablegen. Doch wenn sie hier gute Abschlussnoten erzielen, können sie sich die erzielten Punkte am College anrechnen lassen und so einige Kurse am College überspringen.


Wie schneidet Kanada in der Pisa Studie ab?


Regelmäßig belegt Kanada in der Pisa Studie einen der vorderen Plätze. Sowohl in den Bereichen Mathematik, Lesekompetenz als auch Naturwissenschaften liegt Kanada immer wieder deutlich über dem OECD Durchschnitt.

Dies spricht für das gute und effektive Bildungssystem Kanadas. Dies ist auch wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Land jedes Jahr 8% des Bruttosozialprodukts in Bildung investiert.


Das Besondere an kanadischen High Schools


Ein großer Unterschied zwischen deutschen Schulen und kanadischen High Schools ist auf jeden Fall die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit der Schule. In Deutschland können die meisten Jugendlichen gar nicht abwarten, nach Schulschluss endlich nach Hause zu gehen.

In Kanada dagegen wird die Zeit nach Unterrichtsende meist für außerschulische Aktivitäten genutzt. So entsteht nicht nur ein Gefühl der Verbundenheit unter den Jugendlichen, sondern auch zur Schule. Die Schülerinnen und Schüler identifizieren sich mit ihrer Schule und sind stolz auf sie. Dies erkennt man auch an der Schuluniform, die für jede High School individuell ist.

Auch durch sportliche Wettkämpfe, wie beispielsweise Football Spiele, identifizieren sich die Jugendlichen mit ihrer High School. Am Tag eines wichtigen Spiels wirst du kaum Jugendliche im Schulgebäude sehen, die nicht in den Farben ihrer Mannschaft gekleidet sind. Team-Mitglieder, die durch die Gänge laufen, wird von den anderen Schülerinnen und Schülern viel Erfolg gewünscht. Auch die Lehrerinnen und Lehrer klatschen sie im Vorbeilaufen ab. Nach dem Unterricht versammelt sich dann die ganze Schule auf dem Sportplatz, um die Mannschaft anzufeuern. Du findest kaum eine kanadische High School, an der es keine Cheerleader gibt.

Auch die jährliche Prom ist ein ganz besonderes Ereignis an einer kanadischen High School. Schon Wochen vorher beginnen die Schülerinnen und Schüler das Motto für die Party zu planen. Natürlich wird die große Aula der Schule aufwendig dekoriert. Besonders unter den Mädchen gibt es in den Tagen vor der Prom kaum ein anderes Thema als das perfekte Outfit. Am Abend der Prom finden sich dann sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerkräfte in der Aula der Schule ein. Bis spät in den Abend wird getanzt und gefeiert. Und natürlich werden die beiden Jugendlichen mit dem schönsten Outfits zu Ballkönigin und Ballkönig gekürt.


Die Erfahrungen von Austauschschülerinnen und Austauschschülern


Der Großteil der Schülerinnen und Schüler, die ein Auslandsjahr an einer kanadischen High School verbracht haben, sind begeistert vom kanadischen Bildungssystem. Vor allem die besonders große Fächerauswahl gefällt vielen Jugendlichen, da sie das nicht von ihrer deutschen Schule gewohnt sind. Bei dem großen Angebot an Sportarten und den vielen Outdoor-Aktivitäten finden alle das passende Wahlfach für sich.

Auch das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Jugendlichen ist an einer kanadischen High School unterschiedlich zu einer deutschen Schule. In Kanada ist es normal, dass zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern ein eher freundschaftliches Verhältnis besteht. So wünschen Lehrerinnen und Lehrern der Sportmannschaft natürlich viel Erfolg für das bevorstehende Spiel nach dem Unterricht. Doch auch vor Beginn der Klassen ist es nicht selten, dass dich eine Lehrkraft zu deinem Wochenende fragt oder wie es dir geht.

Doch daneben berichten ehemalige Austauschschülerinnen und Austauschschüler auch davon, dass ihr Aufenthalt an einer kanadischen High School zu einer selbstbewussten und stabilen Persönlichkeit beigetragen hat. Zudem ist ein Aufenthalt an einer High School in Kanada auch fürs Studium und fürs Berufsleben von Vorteil. Dank des hohen Bildungsstandards in Kanada ist dies nämlich immer gern gesehen.


Dein Austauschjahr an einer kanadischen High School


Bist du nun neugierig geworden und möchtest das kanadische Bildungssystem nun selbst kennenlernen? Egal ob öffentliche High School, private High School oder Boarding School, du wirst garantiert von einem erstklassigen Bildungslevel profitieren. Dafür sprechen auch die regelmäßigen guten Ergebnisse Kanadas in der Pisa Studie, die alle drei Jahre durchgeführt wird.

Außerdem kannst du an einer kanadischen High School auch viele neue Aktivitäten und Hobbys entdecken. Wolltest du schon immer einmal Ballett erlernen oder deine Fähigkeiten im Schach verbessern? An kanadischen High Schools stehen dir nicht nur viele, verschiedene Sportarten zur Auswahl, sondern alle möglichen Aktivitäten, von Robotics bis hin zu Musical Composition.

So wirst du natürlich viele neue Freunde an deiner Austauschschule in Kanada finden. Gemeinsam könnt ihr in eurer Freizeit die Stadt und das Land kennenlernen. Kanada wartet mit vielen, unvergesslichen Momenten und Erlebnissen auf dich!

War dieser Artikel hilfreich?
Nein

Weiterlesen

High Schools